Apple iPad

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Version 28/05/10: Seit dem 1. Mai steht er in der Redaktion, jetzt ist der erste Praxis-Test "im Kasten". Joachim Pfeiffer hat sich den mit viel Vorschusslorbeeren bedachten Freizeit-Computer vorgeknöpft.

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Ich habe ein 3G, direkt aus New York. Na und, denkt sich der Apple-Experte, anfangen kann er mit dieser Version noch herzlich wenig. Einfach deshalb, weil es die entsprechenden Karten, Micro-SIM genannt, weder für Geld noch gute Worte hierzulande zu kaufen gibt. Denkste, denke ich. Eine von der guten alten Tante Telekom via 24 Stunden gelieferte Multi-SIM-Karte lieferte die Lösung des Problems.

Der Karten-Trick ist einfach, erfordert aber eine ruhige Hand, ein gutes Auge und eine scharfe Schere. Die Multi-SIM ist zwar genauso groß wie bisher, aber sie lässt sich auf das Maß der Micro stutzen, ohne dass der Datenträger in Mitleidenschaft gezogen wird. Im iPad befindet sich eine – für uns nutzlose – AT&T-Micro-SIM, die als Schnittmuster herhalten kann. Schnipp-schnapp, ein wenig mit der Nagelfeile nachgearbeitet – und schon ist die handgedengelte Micro-SIM im iPad und funktioniert.

Das Pad lässt die Finger spielen…

Willkommen in der Praxis, willkommen im Alltag: der erste Praxistest des iPads kann starten. Wer sich, sozusagen als Appetitanreger, die im Netz eingestellten Filmchen von Apple, reingezogen und aufgesogen hat, wird eine Vorfreude spüren und meinen: Kenne ich schon, das iPad wird sich halt so anfühlen wie ein zu groß geratenes iPhone. Leute, die Realität sieht anders aus. Die Neuschöpfung von Apple fühlt sich nämlich ganz anders an. Gerade auf den Seiten, die für das iPad optimiert sind, funktioniert die Fingersteuerung so etwas von klasse, das einem allein der Gedanke daran, ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. iPhoto beispielsweise ist extrem einfach und intuitiv zu bedienen. Schön nach Alben sortiert, liegen die Bilder auf einem Stapel. Mit dem Finger kurz darauf gepocht und schon öffnen sich blitzschnell alle Bilder. Man sucht sich eins aus, klopft leicht darauf – jetzt erstrahlt es geradezu magisch. Das Display ist hell, kontrastreich und kann vor allem eins exzellent: Bilder mit echter Tiefe wiedergeben. Hatte ich so nicht erwartet. Auch nicht, trotz langjähriger iPhone-Erfahrung, wie faszinierend tatsächlich das Zoomen mit zwei Fingern klappt: Glaube es mir, Du tauchst in das Foto regelrecht rein und entdeckst Details, die Dir vorher verborgen blieben (Ich habe mal einige Platinen eines Accuphase-CD-Players betrachtet – irre, einfach nur irre! Geht überhaupt nicht aus Papier!).

Das Pad ist kein Phone…

Dass das iPad eben kein größeres iPhone ist, erkennst Du daran, dass die vielen kostenlosen und –pflichtigen Apps für Dein iPhone zwar funktionieren, aber irgendwie keinen Sinn machen. Schon deren Auflösung ist für das Phone erdacht und gemacht: Schön scharf heißt denn auch: schön klein. Mit der Funktion „2x“ am unteren Rand des iPad-Displays kann man die Darstellung nahezu bildschirmfüllend vergrößern, aber dann erscheinen Bilder wie Schriften verpixelt.

Da müssen schon echte, für das iPad entwickelte Apps kommen. Ein paar habe ich mir schon angesehen. www.bmw-pad.de ist eines davon. Im Unterschied zu konventionellen Webseiten, hat das Scrollen von oben nach unten hier ein Ende, statt dessen werden Seiten geblättert oder „geschoben“.

Nicht so hastig: Es gibt fürs iPhone konzipierte Apps, die via iPad eigentlich noch zwingender sind. Das kostenlose "remote" ist eines davon. Aus unerfindlichen Gründen läuft es auf dem Pad stabiler als auf meinem Phone. Und insbesondere: Man "haut" nicht mehr daneben, wenn man einen Interpreten und einen Track sucht. Das geht richtig klasse über den großen Bildschirm (also "2x" aktivieren). So gut übrigens, dass meine Liebste – bis gestern strikte Gegnerin des heimischen Netzwerkes – nun endlich Gefallen daran findet.

Wie hört sich "Last-FM" via iPad an, fragt User Jürgen Timm. Überhaupt nicht, so mein derzeitiger Stand. Zumindest mein iPad unterstützt das schöne "Wünsch-Dir-Was-Radio"-Portal nicht.

Schaue Dir an, wie das iPad Schriften darstellt! Es ist sagenhaft, ohne in Euphorie zu verfallen, muss ich sagen: Auch das kann kein Papier, ob es nun matt ist oder hochglänzend.

Das Pad ist kein PC…

Natürlich habe ich mir auch viele klassische Web-Sites über das Pad angesehen. Statt mit der Maus zu klicken, tippst Du nun mit dem Zeigefinger auf Funktions-Tasten. Das geht, mit einigen Seiten sehr gut, mit anderen nicht so berauschend. Insbesondere, wenn die Symbole klein und obendrein eng beieinander liegen, aktiviert mein Zeigefinger schon mal etwas, was ich überhaupt nicht sehen will. In anderen Medien ist zu lesen, dass der Akku erst nach rund zehn Stunden schlapp macht. Stimmt wirklich. Dagegen ist die Laufzeit des iPhones echt ein Witz, leider ein schlechter.

Am dritten Tag der spielerischen Praxis-Erprobung, erhielt ich übrigens eine SMS von der Telekom. Nicht aufs iPad, damit kann man (derzeit zumindest) weder telefonieren noch simsen, sondern aufs iPhone. Die im Vertrag vereinbarte Datengrenze sei erreicht, ich könne nun nur noch mit GPRS-Geschwindigkeit durch das Netz surfen. Was nun mal überhaupt keinen Spaß macht. Zähneknirschend habe ich den Vertrag aufgestockt und bislang keine weitere (Zahl-) Grenze mehr erreicht.

Über meine WiFi-Anlage in den heimischen vier Wänden erreiche ich ohnehin eine wesentlich bessere Geschwindigkeit als mit der Telekom-Verbindung. Sie ist okay, wenn das iPad mir das Symbol „3G“ aufzeigt, in Gebieten ohne UMTS braucht der Aufbau einer Internet-Seite schon mal eine gefühlte halbe Ewigkeit.

Oder es passiert überhaupt nichts. Ich hatte das iPad im Gepäck, als ich die HighEnd in München besuchte. Dem einen oder anderen habe ich zeigen wollen, wie phänomenal das neue Wunder-Ding Bilder von HiFi- und Video-Komponenten als Ganzes oder im Detail rüberbringen kann und wie erstaunlich mühelos das Lesen von Texten damit ist. Ich musste ein wenig tricksen, denn in München funktionierten an diesem Tag keine iPhones und mein schnuckeliges iPad selbstredend auch nicht. Was wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass von 1000 Besuchern wohl 500 ein iPhone in der Jackentasche stecken hatten. Das Netz war offensichtlich überlastet.

Das Pad ist besser als gedruckt…

Gelesen habe ich, dass das iPad bei strahlendem Sonnenschein in Gottes freier Natur, genauer in einem Biergarten, nicht mehr „lesbar“ ist. Ja klar, wenn man es direkt in die Sonne hält, wird es sehr schwer, etwas auf dem spiegelnden Display zu erkennen. Sorry, aber wer macht das schon. Ein kleiner Dreh ins Schattigere – und schon fällt das Lesen von Websites oder das Betrachten von Bildern alles andere als schwer. Auf jeden Fall dramatisch leichter als mit jedem (!) Labtop dieser Erde, MacBooks inklusive.

Noch einmal ein Vergleich zu anderen Apple-Produkten: Ob iPhone, iPod oder iPod-Touch – sie alle eint, dass man sie eigentlich nur scharf anschauen muss, um an irgendeiner Stelle eine Gebrauchsspur oder gar einen Kratzer zu hinterlassen. Da ist das iPad ein anderes Kaliber. Meine und alle anderen Fingerabrücke auf dem Display ließen sich bislang mühelos und ohne (!) Krätzerchen beseitigen und Apple-untypisch gibt sich obendrein die schicke Rückseite des Tablet-Computers. Trotz „ungeschütztem Verkehr“, rein in die Tasche, raus der selben, sieht auch diese Seite völlig jungfräulich aus.

Zum Laden des iPads bietet sich bei mir auch der Zeppelin von B&W an. Und nicht nur das, das musikalische Luftschiff eignet sich (aktuell wohl als einziger Kandidat), die iPod-Funktion des Pads standesgemäß wahrzunehmen. Wie es klingt? Erstaunlich gut, besser als mein iPhone und auch brillanter als diverse iPods. Klasse.

Reduce to the max

Ohne Vorankündigung hat nun auch der App-Store für das Pad geöffnet. Aha, jetzt kann ich mir ein eigenes Bild davon machen, weshalb sich gerade Zeitungs-Verlage so vehement auf den Apple-Flachmann stürzen. Nehmen wir als Beispiel "USA TODAY". Ich gucke mir gerade den Beitrag "Hooray for Dollywood" in der App-Version an. Sehr einfach zu verdauen. Eine gut lesbare und zudem noch vergrößerbare Schrift, wie in einem Magazin zweispaltig gesetzt. Ein Foto, eine Überschrift – das war´s. Jetzt betrachte ich den selben Text in der konventionellen Online-Ausgabe: Schreck lass nach – darüber, darunter und daneben krude, blinkende und verwirrende Elemente, die mir die Kraft rauben, mich auf den journalistischen Beitrag zu konzentrieren.

Kurz vor dem Verkaufsstart hat nicht nur der App-Store fürs iPad geöffnet: einige relevante Print-Objekte buhlen mit iPad-Apps. Klasse, das geht wirklich in die richtige Richtung. Bestes Beispiel sind "Spiegel" und "Welt HD". Beide kosten zur Zeit noch nichts (was sich ändern wird) und beide zeigen, dass die Darstellung journalistischer Inhalte nebst tollen Fotos oder Film(ch)en einfach besser funktioniert als im konventionellen Web oder gar auf bedrucktem Papier (klar, Filme auf Papier….)

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Joachim Pfeiffer

letzte Änderung: 08.01.2011 18:58