Version 09/03/10: Zwei Vollverstärker wärmen sich seit kurzem auf: Der T+A PA 1260 R (um 3200 Euro) und der Symphonic Line RG 9 (um 4100 Euro) stehen nun zum Vergleich parat. Wie dieser Wettbewerb ausgegangen ist, lesen Sie jetzt.

Na also, der Aaron No. 1a hat durchaus das Zeug zum Extrem-Sportler. Dass er an der impedanzkritischen Infinity Kappa 9 nicht einknickte, seinen Dienst mit allenfalls erhöhter Temperatur versah, konnte er schon beweisen. An heute üblichen Lautsprechern, die durch die Bank elektrisch genügsam oder zumindest beherrschbar sind, wird der Aaron auf keinen Fall überfordert. Aber wie schlägt sich der Proband an einem Schallwandler, der ihn von der Papierform eher „unterfordert“?
An Lautsprechern also, die mit Wirkungsgrad klotzen und sich gemeinhin schon mit gut gemachten, leistungsarmen Verstärkern bescheiden? Noch bevor geLiLi.de einen Lautsprecher dieser Spezies in die Redaktion beorderte, meldeten sich zwei User und boten ihre Hilfe an. Da es schlicht einfacher ist, den Aaron von A nach B zu transportieren, als einen ausgewachsenen Horn-Lautsprecher von B nach A, entschied sich die Redaktion, für einen Check nach B zu reisen. B steht hier für Düsseldorf und dort betreibt der User eine Tannoy Westminster. Das gewichtige Teil hat schon ein paar Betriebsstunden auf dem Buckel und stammt aus dem letzten Jahrtausend (also nicht die aktuelle Version Royal SE für 28000 Euro). Positiv betrachtet: Der Lautsprecher ist auf jeden Fall eingespielt…
Ungefähr so alt wie der Lautsprecher ist übrigens auch die Elektronik, die ihn dort versorgt. Treue Arbeitstiere von Threshold, die ihren Platz immer wieder behaupten konnten. Er habe schon diverse Röhrenamps mit den Kleiderschrank-großen Tannoys kombiniert, aber rundum glücklich sei er damit nicht gewesen, meinte der User. Das Wohlklang-Versprechen, welches leistungsschwache Röhren-Verstärker mit geringen Lautstärken einlösten, hätten sie mit höheren Pegeln nicht halten können.
Was der User mit höheren Pegeln meint, führte er kurz vor: Auf dem Teller seines Zarathustra-Laufwerks (ein Modell aus den frühen 1990er Jahren mit Graham-Tonarm und Ortofon-Abtaster) drehte sich „Bill Evans At The Montreux Jazz Festival“, eine LP aus dem Jahre 1968: Evans spielt Piano, Jack deJohnette bearbeitet die Drums und Eddie Gomez zupft den akustischen Bass. Nichts Besonderes? Von wegen! In dem rund 40 m² großen, relativ stark bedämpften Hörkeller baute sich eine Atmosphäre auf, die einem Live-Erlebnis verdammt nahe kam. „Bestimmt sind aktuelle Boxen neutraler, aber das können die doch wohl nicht?“, schmunzelte der Gastgeber und alle Beteiligten mussten ihm zustimmen. Und weiter: „Jetzt lassen Sie mal hören, was ein Vollverstärker wie der Aaron mit der Platte anstellt.“
Wieder senkte sich die Nadel ins leicht knisternde Vinyl – das Publikum applaudierte noch verhalten, ein Conferencier stellte Evans und die Truppe vor. Schon mit dieser Sequenz klangen die Westminster verändert: Das Klatschen des Publikums wirkte authentischer, der umgebende Raum schien im Gegenzug aber leicht zu schrumpfen. War das besser, schlechter oder – wertneutral – einfach nur anders?
Ein Verdacht keimte auf. Nach der alten Verve-LP hörte die Jury noch diverse andere Scheiben aus dem Plattenschrank des Düsseldorfers. Je mehr man hörte, desto gesicherter die Erkenntnis: Der „kleine“ Aaron streckte den Thresholds die Zunge raus, er führte die großen „alten“ Verstärker in wichtigen Disziplinen vor. Weil das Timing zwingender war, Pausen pointierter gesetzt und Tempi-Wechsel spannender wirkten. „Ihr Aaron löst besser auf“, gab der User irgendwie zähneknirschend zu. „Aber wenn´s richtig laut krachen soll, behält ihre Threshold-Endstufe die Oberhand“, lautete die tröstende Antwort an diesem Abend.
Was bisher geschah
Das Gerät erreichte die Redaktion in einem einwandfreien Zustand in einer stabilen Umverpackung. Kleine Gebrauchsspuren lassen vermuten, dass der Vollverstärker bereits benutzt wurde.
Zum Lieferumfang gehört ein Netzkabel sowie eine Fernbedienung im Vollmetall-Gehäuse, die Batterien hierfür waren im Geber vorhanden. Und ein paar weiße Handschuhe liefert Aaron noch dazu.
Die Bedienungsanleitung in deutscher Sprache ist gut verständlich und weitestgehend voraussetzungsfrei. Technische Daten werden allerdings nicht dokumentiert.
Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme funktionierten Eingangswahl und Pegel-Regelung tadellos. Sender/Empfänger für Infrarot-Bedienung sind ausreichend dimensioniert: Auch aus größerer Distanz und verschiedenen Winkeln gehorcht der Aaron No. 1 den Befehlen der Fernbedienung. Das ist (leider) keine Selbstverständlichkeit.
Schön, dass sich die Empfindlichkeit der Eingänge um +/- 15 dB anpassen lässt. In der Werkseinstellung tönte die Test-Konfiguration mit diversen CD-Playern (jeweils typische 2,0 V Ausgangsspannung) und den Lautsprechern Canton Vento Reference mit Minimalpegel nämlich zu laut. Nach der Anpassung stimmte zwar der Pegel im „Nachtbetrieb“, volle Zufriedenheit wollte sich aber dennoch nicht einstellen. Für eine Reihe von sehr gut produzierten CDs reichte die nunmehr gewählte Anpassung nicht, um sie „livehaftig“ im oberen Pegelbereich zu erleben. Da ist es schon hinderlich, dass die Eingangs-Empfindlichkeiten ausschließlich am Gerät und nicht mit der Fernbedienung veränderbar sind.
"Auch dafür gibt es eine Lösung", verriet Mitglied Jürgen Jansen geLiLi: Man gehe einmal ans Gerät und wähle mit dem linken Taster das Menü für die Eingangsempfindlichkeit. Diese ließe sich dann mit der Fernbedienung verändern. So kann man, falls vorher eine passende Durchschnittslautstärke eingestellt wurde, den Pegel je nach CD oder Musikstück vom Sessel aus bequem anpassen. Bei einem Regelbereich von 30 dB sollte das praxisgerecht sein. Und was noch besser ist, die zu grobe und wenig treffsichere Lautstärkeeinstellung sei auf diese Weise außer Gefecht gesetzt, jetzt ginge es in 1 dB-Schritten.
geLiLi.de hat den Trick des Users gecheckt. Funktioniert, klasse!
Hör-Eindrücke ohne Vergleich
Versetzen wir uns kurz in die Lage eines Fans, der sein Konto um 3500 Euro erleichterte und nach einer kurzen Einspielzeit seinem neuen Verstärker erstmalig lauscht. Er will einfach, dass es gut klingt! Was mit einer Reihe von Tonträgern auch kein Problem ist. Die klingen eigentlich immer gut…
Bestes Beispiel: „Star Treck“ mit dem Yuri Honing Trio. Mit dieser CD kann man nichts falsch machen, außer: sie über die gesamte Spielzeit zu hören. Bei Vorführungen kommt daher auch meist nur eine bestimmte Sequenz des Titels „Walking on the Moon“ zum Einsatz. Der Track startet mit einem sehr sauber aufgezeichneten Schlagzeug, dann folgen Bass und Saxophon. Hört sich schon spektakulär an, wird dann aber wirr mit Free-Jazz-Elementen durchsetzt und somit bei besagten Demonstrationen schleunigst augeblendet.
Dieses „Walking on the Moon“ klingt viel anspruchsvoller als es in Wahrheit ist. Vorsichtig geschätzt, meistern 95 Prozent aller Verstärker diesen vermeintlichen Prüfstein. Mit Bravour der Aaron No.1a.
Der sich mit „givin´it up“ von George Benson und Al Jarrau auch keine erkennbaren Blößen erlaubte. Wenngleich auch dies eine Produktion ist, die selbst lahme und alterschwache HiFi-Anlagen noch hörenswert macht. Im ersten Eindruck zumindest. Der zweite entscheidet darüber, ob man die CD auch bis zum Ende spielen mag.
Mit dieser CD zeigte sich erstmals der Charakter des Aaron No. 1a. Er ist wohl kein Kuschel-Typ, der insbesondere die oberen Mitten mit Watte zumüllt (was je nach CD-Produktion ganz nett sein kann, aber mit High Fidelity nichts zu tun hat), sondern eher auf Auflösung bedacht: in den Mitten und darüber hinaus. Im Bass- und Grundtonbereich wirkte er – mit dieser und anderen CDs – etwas nachgiebiger. Nicht unangenehm, übertrieben oder gar lästig. Aber eben auch nicht ideal.
Auch die geLiLi.de nur als reinrassige SACD vorliegende Scheibe „Standard Time“ mit Steve Tyrell bestätigte dies und eröffnete gleichermaßen die Diskussion um die Frage: Wie muss eine Stimme klingen? Alles nur Geschmacksache oder gibt es objektive Kriterien?
Hört sich bierernst an – oder? Das geLiLi-Team gönnte sich einen launigen Zwischengang. Ein User berichtete beiläufig, dieser an Abmessungen bescheidene Aaron habe durchaus das Zeug, eine Infinity Ur-Kappa 9 zu treiben. Wenn Sie jetzt ein "na und?" einwerfen, kennen Sie den Verstärker-Mörder Kappa nicht: Eine Kappa aus den 1980er Jahren stellt für Endstufen eine wirklich fiese Last, knapp am Kurzschluss, dar. Das ist fast so, als ob Sie mit Kleinwagen einen vollbeladenen Hänger durch die Gegen kutschieren wollen. Oder über den Brenner.
Schafft der Aaron die Kappa oder die Kappa den Aaron? Oder gehen beide über die Wupper?
Zwei Tage spielt das Duo im Hörraum. Wir starteten leise, ganz behutsam. "Kannst schon mehr Dampf geben", meinte einer der Tester und legt die Hand auf den Gehäusedeckel des No. 1a: kaum Temperatur…
Bedeutet nichts, erinnert sich Joachim Pfeiffer, der einmal einem vergleichbaren Belastungstest mit Musik beiwohnte. Mit den Lautsprechern Isophon Vertigo (ähnlich kritisch wie die Kappas) und Mono-Endstufen, deren Stabilität es zu überprüfen galt. Wenige Sekunden nachdem er die Hand auf eine der beiden Monos mit der Bemerkung "die werden ja überhaupt nicht warm“ gelegt hatte, schoss eine meterhohe Stichflamme aus einem der Amps…
Der Aaron No. 1a parierte dieses spezielle Prüfprogramm ohne Murren. Warm wurde er dabei auch. Aber irgendwie tat es ihm und der Herren-Runde gut. Wie das Ensemble klang? Ehrliche Antwort: zu laut, um darauf eine lautere Antwort geben zu können. Das muss HiFi auch mal können…
Und jetzt werden wir doch ganz ernst: Eine gerechte Klangbeschreibung ist weder einfach zu schreiben, noch ist sie häufig zu lesen. Meist wird blöd gejubelt, ganz selten wird etwas nach Strich und Faden verrissen. Beide Varianten haben aber eines gemein: Sie gehen gut aus der Feder…
Und wenn eine Komponente neben Stärken auch Schwächen aufweist? Da tut sich der HiFi-Journalismus, auch der gute, ziemlich schwer. Dass mit den Stärken kriegt man ja noch hin, aber um die Schwächen ranken sich kunstvoll geschliffene, mit vielen positiven Begriffen gespickte Nebensätze, die sich bei oberflächlicher Betrachtung eher wie ein Lob lesen. Es sei denn, der Nachfolger steht auf dem Prüfstand – dann werden die zuvor kunstvoll versteckten Kritikpunkte wieder ausgepackt und in Klartext umgewandelt.
Nur zu, meint der User jetzt, dann raus mit der Wahrheit. Welche Wahrheit denn? Die des Testers, der sich quasi von oben nach unten hört und sich darauf spezialisiert hat, kleine Abweichungen von der Ideallinie zu erkennen? Oder die des HiFi-Fans, der sich eben von unten nach oben hört (kauft) und sich so über Verbesserungen freut? Der vom klapprigen Polo auf einen neuen Golf umsteigt. Was juckt den denn, dass man mit einem Ferrari schneller auf der Rennstrecke unterwegs ist und mit einem Unimog besser auf Waldwegen – wenn er mit seinem neuen Gefährt die erste Spazierfahrt unternimmt. Da ist er stolz und vielleicht sogar glücklich.
Was die User von geLiLi fordern ist „eine klare Linie, die sich durch alle Tests zieht, damit eine objektive Vergleichbarkeit über Generationen gegeben ist“ (Jürgen Jansen)
Orientieren wir uns heute einfach mal am Fragenkatalog, den Frank Klatt via Marker der Redaktion mitteilte. Geben wir auf seine klaren Fragen ebensolche Antworten.
1) „Spielt der Aaron No. 1a linear, vollmundig oder schlank?
Vollmundig wirkt der Aaron im Bass- und Grundtonbereich. Dieses Spektrum bildet er tendenziell eher weich und rund ab, erinnert somit sehr an Röhrenverstärker, die noch wie Röhrenverstärker klingen. Dass sich diese Charakteristik nicht in den Mitten und darüber hinaus fortsetzt, hat was… In den oberen Mitten, fällt insbesondere bei Stimmen auf, neigt er zu einer gewissen Strenge.
2) „Spielt er präzise oder etwas verwaschen?“
Präzise. Durch die Bank. Denn auch die etwas rundere Darstellung unterer Gefilde geht nicht auf Kosten irgendwelcher Details.
3) „Hat er ein präzises Timing oder spielt er eher gemütlich?“
Wenn die Musik gemütlich ist, reproduziert der No. 1gemütlich. Steht Tempo auf dem Programm, macht der Aaron richtig Dampf. Klartext: Timing ist sein Ding.
4) „Bildet er den Raum breit oder tief ab. Oder schafft er beides?“
Eher breit mit sehr guter Staffelung zwischen den Lautsprechern. Dabei baut sich die Bühne eher vor als hinter den Lautsprechern auf.
5) Spielt er bei allen Lautstärken gleich?
Natürlich nicht. Sein Klangbild fasert mit geringen Pegeln nicht aus (sehr gut!), in einem praxisgerechten Lautstärkebereich reproduziert er wie in den Punkten 2), 3), 4) und 5 beschrieben. Das Ende seines Leistungswillen oder besser: seiner Leistungsfähigkeit kündigt sich an, wenn mit hohen Pegeln die Kehlen von Interpreten rauer werden.
6) Spielt er so an jedem Lautsprecher oder verändern sich diese Eigenschaften? Wenn letzteres zutrifft, gibt es in dem Fall "Gesetzmäßigkeiten"?
Unsere Aussagen stützen sich auf Hörtests mit der Canton Vento Reference, KEF QX 40, Bowers & Wilkins 803 S sowie einer älteren Audio Physic Caldera. Obwohl es sich hier um sehr unterschiedliche Marken handelt, sind sie konstruktiv so weit nicht voneinander entfernt. Es fehlt also ein wirkungsgradeffizienter Horn-Lautsprecher, den geLiLi.de sich nun beschaffen wird sowie ein Flächenstrahler. Die Frage kann somit noch nicht abschließend beantwortet werden.
Hör-Eindrücke im Vergleich
Wie sich der Aaron im Vergleich zu zwei namhaften Mitbewerbern schlägt, schon. Versetzen wir uns nun in die angenehme Situation rund 4000 Euro für einen neuen Vollverstärker ausgeben zu wollen und zu können. Zur Auswahl stehen der neue T+A PA 1260 R zum Kostenpunkt von 3200 Euro, die aktuelle Version des Klassikers Symphonic Line RG 9 (um 4100 Euro) sowie der Proband Aaron No. 1a, der preislich genau dazwischen angesiedelt ist.
Für diese Hördurchgänge haben wir uns was Gemeines ausgedacht: Wir konfrontierten die Verstärker mit einer fünfköpfigen Jury, bestehend aus zwei Tonmeistern und drei Orchestermusikern. Die brachten nicht nur ihre berufsbedingten guten Ohren, sondern auch Musikmaterial mit, das sie selbst aufgezeichnet oder eingespielt hatten. Gemein? Nee, gemein war, dass die Tests „blind“ durchgeführt wurden. geLiLi.de wollte auf diesem Weg ganz stressfrei ermitteln, ob Aaron, T+A und Symphonic Line überhaupt signifikant voneinander zu unterschieden waren. Außer Konkurrenz – quasi als Maßstab – spielte zudem noch eine Verstärker-Kombi aus der Vorstufe Cello Audio Suite mit der Profi-Endstufe Tannoy TA 600 am Arbeitslautsprecher Canton Vento Reference. Unter den gleichen Bedingungen, also im Blindtest.
In der ersten Hörstunde sollte die Jury eine Antwort auf die Frage „Spielen diese Verstärker linear, vollmundig oder schlank?“ geben.
Mit mittleren Lautstärken und zuvor durchgeführtem Pegelabgleich fiel es der Jury zunächst schwer, die Verstärker zweifelsfrei auseinander zu halten. Je nach Musikprogramm, das ausschließlich mit natürlichen Instrumenten und Stimmen eingespielt wurde, ordneten Juroren bestimmte Klangeigenschaften mal dem einen und mal dem anderen Probanden zu. Das lässt nur eine Aussage zu: Die Verstärker reproduzierten schlicht und (wenig) ergreifend linear.
In der zweiten Stunde richteten die Juroren ihr Ohrenmerk auf die Frage „Spielen sie präzise oder etwas verwaschen?“
Man ahnt es bereits: Mit wiederum moderater Lautstärke gehört, ließen sich keine signifikanten Unterschiede feststellen. Wenngleich die Auswertung der Fragebogen zeigte, dass sich die Jury auf die Probanden nun „eingehört“ hatte. Ob beispielsweise der Symphonic Line als A, B, C oder D auftrat, egal, sie erkannten ihn. Profis eben. Die sich auch nicht vom System des so genannten Doppel-Blindtests kirre machen ließen.
So wurden in Stunde 3, bei der Beantwortung der Frage „Haben sie ein präzises Timing oder spielen sie eher gemütlich?“
erste eindeutige Tendenzen erkennbar. Exaktes Setzen von Pausen oder Lospreschen aus dem „Nichts“ gelang der kruden Kombi aus Cello und Tannoy schon am besten. Überzeugend war aber auch das, was der Aaron an Informationen bereitstellte. Zwischen ihm und dem T+A gab es in dieser Disziplin übrigens eine Art Kopf-an-Kopf-Rennen. Erstaunlich, dass ausgerechnet der teuerste Vollverstärker, Symphonic Line RG 9, in diesem Testlauf die wenigsten Punkte einheimste.
„Bilden Verstärker den Raum breit oder tief ab. Oder schaffen sie beides?“ beurteilten die Juroren in Stunde 4.
Die stabilste Bühne „bauten“ Cello mit Tannoy (angesichts des Preises für die Audio Suite auch die mit Abstand teuerste…), zunächst sogar getoppt vom Symphonic Line. Dessen Bühnenbild wirkte um ein paar Zentimeter breiter und insbesondere tiefer. Also besser? Nein, allenfalls interessanter. Denn Tonmeister haben so eine Art Zollstock im Kopf, da sie um die realen Abmessungen einer Aufnahmestätte wissen und auch, wie Mikrofone (Aufstellung und Charakteristik) Musik darin aufzeichnen. Der RG 9 übertreibe und schöne, meinte denn einer Juroren nach den Prüfungen. Obwohl zunächst unspektakulärer: näher an der Realität war hier der Aaron No. 1a. Ebenso sehr gut, wenngleich kompakter, geriet die Abbildung via T+A.
Bewusst in der letzten Stunde des Blindtests auf der Agenda: „Spielen die Verstärker bei allen Lautstärken gleich?“
Zunächst leise, ganz leise, noch leiser: Abseits der Ideal-Pegel stoßen Vollverstärker oft an ihre Grenzen. Auch die Test-Teilnehmer zeigten ihre. Einzig das Cello/Tannoy-Gespann klang unterhalb von Zimmerlautstärke detailliert, artikuliert und noch mit Klangfarben gesegnet (was aufs Konto der Vorstufe gehen dürfte). Andere verblassten, am auffälligsten der T+A P 1260 R, der am Rande des Leerlaufs nicht in seinem Element schien. Um den Aaron vergleichbar leise auftreten zu lassen, mussten wir die Ausgangsspannung des CD-Players deutlich reduzieren, danach ergab sich ein erfreuliches Bild. Wie schon im „sehenden“ Solotest erkundet, kann der No. 1a extrem leise glaubwürdig reproduzieren. Vergleichsweise gut geriet die Performance des RG 9.
Dass sich die Verstärkerkombi Cello/Tannoy letztlich auch mit höchsten Pegeln vom Feld absetzen konnte, überraschte niemanden. Tröstlich: Auch eine Endstufe wie die Tannoy TA 600 wird ihren Meister, sprich: einen noch leistungsfähigeren Verstärker finden, der sie in die Schranken weist . Erreicht ein Verstärker den individuellen Grenzbereich, klingt das nicht wirklich wohltuend. Manche machen es auf die harte, unbarmherzige Tour, andere auf die charmante. Letzteres traf auf den Aaron zu, der knapp vor Schluss das Klangbild verengte und insbesondere Stimmen aufraute. Mit handelsüblichen und wirkungsgradeffizienten Lautsprechern, die in normalen Wohnzimmern stehen, dürfte selbst dieses kleine Manko keine Bedeutung haben: Weil diese Erfahrung allenfalls zu Silvester erlaubt erlebbar ist. Der T+A schob die Grenzen noch einen Tick weiter. Er gefiel den Juroren mit sehr hohen Pegeln deutlich besser als mit allzu geringen. Und der Symphonic Line? Der wirkte mit zunehmender Lautstärke fast so wie eine Kombination aus Vor- und Endverstärker – um dann holterdipolter den Juroren zu deuten: „Macht leiser, ich kann und will nicht mehr“.
Was lehrt dieser Blindtest?
- Wenn man sich ausreichend Zeit nimmt, werden auch kleine Klangnuancen erkannt und den Probanden eindeutig zugewiesen.
- Absolut betrachtet liegen zwischen den Verstärkern von Aaron, T+A und Symphonic Line keine „akustischen Welten“.
- Der günstigste Proband im Testfeld erntete mehr Zuspruch als der teuerste.
- Der Aaron hat auch in diesen Härtetest bestanden. Bei der Schlussabstimmung, welchen Verstärker die Juroren denn ihrem besten Freund empfehlen würden, entschieden sich zwei der drei Musiker und einer der Tonmeister für den Aaron No. 1a, die beiden anderen votierten für den T+A.
Aktuelle User-Einschätzungen
Ein User schreibt: "Ich finde es toll, dass der Aaron der ja in Deutschland ein ziemlich unbeschriebenes Blatt ist, zeitgleich mit einem preislich vergleichbaren Verstärker einer bestens beleumundeten Firma getestet wird. Mal sehen, ob die blumigen Versprechungen des Herstellers einer Überprüfung standhalten und der Verstärker sein Geld wert ist."
Der Hersteller werbe mit der besonderen Stromstabilität seiner Produkte. Das Schaltungsdesign soll niedrige Impedanzen, Phasendrehungen und Gegen-EMK sehr gut unter Kontrolle halten. Von geLiLi.de erwartet der User, dies mit entsprechenden Lautsprechern zu überprüfen.
Darüber hinaus würde der Schaltung ein Störspektrum nachgesagt, das eher Röhrenverstärkern ähneln soll. Dies müsste sich auch auf den Klang auswirken, meint der User.
letzte Änderung: 19.04.2010 13:17
