Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Die in der Regel kleinen und unkomplizierten Docking-Stationen für den iPod sind nach wie vor der Renner. Es gibt ja kaum noch einen Hersteller, der auf ein entsprechendes Angebot verzichten mag. Nun backt auch Ravon mit dem Fidelio (um 200 Euro) ein kleines Stückchen Apple-Kuchen.

Auf den ersten Blick zeigt das „lütte“ Fidelio, für welchen Erfolgsgaranten er konzipiert wurde: Mit seiner gehörigen Portion an weißem Plastik. Ein Werkstoff, der ehedem für unwürdige Küchenradios reserviert war und nun, dank diverser Apple-Objekte, salonfähig wurde. Nun ist Plastik nicht gleich Plastik. Es gibt wertiges, weniger wertiges und billiges. Ravon, die ihren Sitz übrigens in Australien haben, gingen bei der Materialauswahl sehr geschickt vor. Für die beiden Zweiwege-Lautsprecher wählten sie ein hochwertiges Plastikkleid, die Bedienstation mit der typischen Apple-Schnittstelle für iPod und iPhone musste sich mit einem kostengünstigeren, leichten Stoff bescheiden.
Wie leicht, zeigt der Blick auf die Waage: Auf gerade mal 380 Gramm bringt es das Kästchen, das ja nicht nur aus weißer Schale, sondern auch aus einem Verstärker-Kern besteht. Der sich als Energie-sparendes Class-D-Modul entpuppt, dessen Netzteil selbstverständlich ausgelagert wurde.
Die Installation und Betrieb des Fidelio sind kein großer Akt. Das schnöde, handelsübliche schwarze Netzteil lässt sich prima verstecken, die mitgelieferten Boxenkäbelchen sind so hauchzart dünn, dass sie kaum auffallen und die ebenso zum Package zählende Fernbedienung ist absolut selbsterklärend.
Augen zu, Ohren auf: Wie klingt das Ensemble denn? Erstaunlich gut. Selbst mit höheren Pegeln neigten die beiden Böxelchen nicht zum Dröhnen, sie parierten brav das musikalische Prüfprogramm. Mitunter zu brav. Mit extrem dynamikreicher Kost, beispielsweise mit einigen CD-Überspielungen des ambitionierten Chesky-Labels, ließen sich nur Pegel entlocken, die gemeinhin als Zimmerlautstärke beschimpft werden. Party-tauglich war das Fidelio nur mit Software, die nach Strich und Faden komprimiert war – da fand der unter High Endern verschmähte Loudness-War glatt Anhänger in der Jury.
Was akustisch wirklich fehlte, war Bass. Es gab ihn nicht zu hören, nicht einmal in Spuren-Elementen. Unterhalb des Grundtonbereichs machte das Fidelio eben nichts, aber eben auch nichts falsch. Dass die Gesamt-Performance gleichwohl gefallen konnte, lag an der gelungenen Abstimmung von Mitten und Höhen. Stimmen, insbesondere weibliche, tönten sanft und ausdrucksstark. Richtig gut war das, was sich zwischen den – obendrein aufstellungsunkritischen – Boxen-Zwergen abspielte: eine kleine, recht scharf umrissene Bühne, auf der Interpreten und Instrumente ihre zugewiesenen Plätze einnahmen.
Für kleine Räume – oder auf dem Schreibtisch – ein nettes Spielzeug. Ersetzt keine vollwertige Anlage. Produkte wie der B&W Zeppelin klingen besser, sehen schicker aus, kosten aber auch mehr. Klanglich raffinierter, aber auch wiederum teurer, ist das Pioneer XW-NAS 5, das den Datenstrom vom iPod digital abgreift.
Joachim Pfeiffer
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Das Ravon Fidelio hat soeben seine Heimreise angetreten. Damit ist der Test abgeschlossen. Laut Lieferschein umgibt nicht Plastik, sondern Holz die beiden Boxen.
letzte Änderung: 23.02.2010 14:10
